Artikel in der HAZ // KI meets Ordnung
Radarüberwachung gegen Vandalismus an Schulen – auch in Hannover?
Die IT-Firma comNET GmbH hat eine digitale Lösung entwickelt, bei der keine personenbezogenen Bilder aufgezeichnet werden. In mehreren Städten ist das System im Einsatz, in der Wedemark laufen Tests.
Seitdem in Städten wie Gelsenkirchen, Leverkusen und Bonn Schulen, Turnhallen, Spielplätze und Parks mit einem KI-gesteuerten Radarsystem der hannoverschen Firma comNET überwacht werden, sind die Vandalismusfälle dort spürbar zurückgegangen. An der Realschule Wedemark wird eine entsprechende Anlage seit ein paar Wochen getestet. Auch für die Stadt Hannover könnte dies eine Chance sein, ihre rund 100 Schulen besser vor Randalierern zu schützen, sagt comNET-Geschäftsführer Marc Peters (55). Bislang sei das Interesse der Verwaltung aber nicht sehr groß gewesen.
Doch der jüngste Vandalismusfall an der Grundschule Uhlandstraße (Nordstadt), bei dem die Täter Anfang April offenbar aus schierer Zerstörungswut die Mensa verwüstet, Geschirr, Fenster und Türen zertrümmert, einen Flügel beschädigt, die Sanitäranlagen verstopft, die Turnhalle geflutet und Klassenschränke demoliert haben, könnte einen Sinneswandel bewirken. Die Polizei hat zwei Jungen im Alter von elf und zwölf Jahren als Tatverdächtige ermittelt. Der Schaden wird von der Polizei derzeit auf einen mittleren fünfstelligen Betrag geschätzt.
Videoüberwachung scheitert am Datenschutz
"Wenn Schulen oder öffentliche Plätze verwüstet werden, gibt es oft den Ruf nach Videoüberwachung. Doch das scheitert am Datenschutz, denn auf den Bildern wären personenbezogene Daten zu erkennen. Das ist unzulässig. Eltern reagierten zudem auf Kameras an Spielplätzen oder Schulen besonders sensibel," sagt comNET-Projektleiter Dietmar Bethke (61). Kinder sollten nicht gefilmt werden.
Der Charme an der Lösung von comNET, die mit der Schwesterfirma FRINGS Solutions entwickelt wurde: Die Radarsensoren zeigen keine Bilder, sondern Punkte. Weil sie über Künstliche Intelligenz (KI) gesteuert sind, lässt sich genau erkennen, ob sich auf dem überwachten Gelände Menschen oder Tiere aufhalten. Auch die Richtung der Bewegung kann ausgemacht werden und wie viele Personen dort sind. Die KI erkenne, ob eine Person, etwa ein Hausmeister, einmal kurz über den Schulhof gehe oder ob eine größere Gruppe sich dort unbefugt über längere Zeit versammele.
Vandalismus an der Grundschule Uhlandstraße in der Nordstadt: Das Gebäude wurde völlig verwüstet. // Quelle: Momen Mostafa
Marc Peters und Dietmar Bethek von der comNET Solutions. // Quelle: Momen Mostafa
Radarmessung und Wachdienst
Möglich sei es, die Radarmessung mit Lautsprecherdurchsagen zu koppeln, erläutert Bethke. Je näher die unbefugten Besucher etwa einem Gebäude kämen, desto warnender könnten die Durchsagen werden. Zudem könnten Wachdienste oder der kommunale Ordnungsdienst in Echtzeit alarmiert werden. Der wisse dann auch genau, in welcher Ecke des Geländes sich die Personen aufhielten. Wichtig sei es, dass bei Alarmierung auch tatsächlich ein Wachdienst anrückt. Geräte als Attrappe hätten keine abschreckende Wirkung, so Peters. „Es braucht immer die Präsenz von Menschen.“
Die Radarmessung kann tagesgenau gesteuert werden. So wird zwischen Ferien- und Schulzeiten, Winter und Sommer unterschieden. Man kann programmieren, dass die Sensoren etwa bei Schulfesten oder Sportwettbewerben außerhalb der Öffnungszeiten ausgeschaltet bleiben. Sollte eine Lehrkraft vergessen haben, dass ein Elternabend stattfindet, lässt sich das System laut Marc Peters auch ganz einfach per Knopfdruck abstellen.
Weniger Vandalismusfälle registriert
In Gelsenkirchen wird die Radarmessung seit 2021 eingesetzt. Schnell sei ein deutlicher Rückgang von Vandalismusfällen zu spüren gewesen, berichtet Dietmar Bethke. Hatte es 2023 nach Behtkes Angaben noch 500 Kontrollen nach Hinweisen gegeben, gab es im vergangenen Jahr überhaupt keine Beschwerde. Das Radargerät kann Bewegungen bis auf 60 Meter orten, teils sogar auf 140 Meter.
Bislang seien alle Kunden nach den Testläufen zufrieden, sagt Marc Peters. Die Geräte seien so robust, dass sie auch Stock- und Steinwürfe aushielten. Bislang sei kein Gerät beschädigt oder abmontiert worden. Der comNET-Geschäftsführer sagt allerdings, dass durch Radargeräte zwar das Sicherheitsgefühl erhöht werden kann, das Vandalismusproblem aber bleibt: „Es wird nicht gelöst, sondern nur verschoben.“ Hier sei die Gesellschaft gefordert.
Quelle: HAZ-Hannoverschen Allgemeinen Zeitung // 19.05.2026, Seite 15
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